Cranach im Dom zu Meißen

Der Meißner Dom beherbergt eine große Sammlung von Werken Lucas Cranachs des Älteren (um 1472-1553), seines Sohnes Lucas Cranach des Jüngeren (1515-1586) sowie der Cranach-Werkstatt.

Nachfolgend finden Sie weitere Informationen.

Für weiterführende Entdeckungen oder Forschungen empfehlen wir das cda, das Cranach Digital Archiv.
Das Hochstift Meißen ist Mitglied im Netzwerk der Städte-Kooperation "Wege zu Cranach".

  • Erste Spuren...

    Meißen, die von König Heinrich I. 929 gegründete Stadt an der Elbe, war zur Zeit Cranachs längst durch das von den Wettinern zur Residenzstadt ausgebaute Dresden in seiner Bedeutung überboten.  Der Sitz des Bischofs blieb aber in dem schon 968 von Kaiser Otto I. gegründeten und bis heute bestehenden Bistum mit seinem Dom hoch über der Stadt.  Die Wettiner, seit 1089 mit der Markgrafschaft Meißen belehnt, förderten nicht nur den Bau des gotischen Domes, sondern blieben mit der Bischofskirche weiterhin verbunden. Sie ließen  ab 1415 vor das Westportal des Domes eine bedeutende Familienbegräbnisstätte errichten und auf das kostbarste ausstatten. Die in der Vischerhütte Nürnberg gegossene Grabplatte des 1510 gestorbenen Herzogs Friedrich (dargestellt als Hochmeister des Deutschen Ordens) lässt eine Vorzeichnung von Lucas Cranach vermuten und wäre somit die älteste Spur des Meisters in Meißen.

     

  • Kreuzaltar - Cranachs Werkstatt arbeitet überkonfessionell

    Als erstes sicher nachweisbares Werk aus der Cranachschen Werkstatt ist jedoch das Retabel des Kreuzaltars im Dom zu nennen, das seit seiner Aufstellung 1526 den Laienaltar bis heute schmückt.  Spätere Zeiten bemerken zum einen immer wieder verwundert, dass der Schöpfer der „Lutherischen Bildsprache“ Aufträge vom „Fels der Altgläubigen“ entgegennahm und zum anderen, dass der Hofmaler des reformierten Kurfürsten  vom „Gegner der Reformation“ Aufträge ausführte. Heute weiß man zum einen, dass dieser verwundernde Widerspruch der Stellung des Künstlers in dieser Zeit und zum anderen der Funktion von Kunst geschuldet gewesen ist. Mithin muss davon ausgegangen werden, dass Cranachs Werke in Meißen nicht nur an herausragender sakraler Stätte zu finden sind, sondern auch von oberster weltlicher Repräsentation gestiftet wurden.

  • Altartryptichon für die Georgs-Kapelle

    Der am katholischen Glauben festhaltende Herzog Georg, ließ für sich und seine 1534 verstorbene Frau Barbara eine kleine Nebenkapelle errichten und mit einem von Lukas Cranach d.Ä. gemalten Tryptichon ausstatten.

    "Auf dem 1534 datierten und von Lucas Cranach d. Ä. signierten farbstarken Triptychon ist im Mittelbild Christus sitzend als Schmerzensmann, der von Maria und Johannes gleichsam präsentiert wird, dargestellt. Ein Schwarm von Putten, teilweise mit den Marterwerkzeugen Christi, bilden eine Art Baldachin über der Figurengruppe und geben der Auferstehungshoffnung des Stifters Ausdruck.
    Herzog Georg der Bärtige ist auf dem Flügel links, seine Gemahlin Barbara auf dem Seitenflügel rechts zu sehen. Hinter ihnen stehen je zwei Apostel, hinter dem Herzog Jakobus d.Ä. und Petrus, hinter der Herzogin der Apostel Andreas und Paulus.
    Als Schutzpatrone legen Jakobus und Andreas eine Hand empfehlend auf die Schulter von Herzog und Herzogin. Dagegen beziehen sich die hinweisenden Gesten von Petrus und Paulus auf die Texte aus den Briefen der Apostelfürsten, die über den Stiftern angebracht sind. Das Triptychon wurde als Altar– oder Epitaphbild nach dem Tod der Herzogin zur Aufstellung in der Grabkapelle im Dom zu Meißen geschaffen, wo es sich noch heute befindet.

    Inschrift auf dem linken Seitenflügel oben:

    MVLIERES DEBENT ESSE: SUBDITÆ
    MARITIS SICUT DEO I MARITI DEBENT
    DILIGERE VXORES SICUT CORPVUS
    IQVILIBET DILIGAT VXOREM SICVUT SE
    IPSVUM I VXOR TIMEAT MARITVM AD EPHE:
    5 I MVLIERESEANT HONESTVM
    VESTITUM I CVM DISCRETIONE AD
    TIMOTH: 2

    ("Die Frauen seien Untertan ihren Männern wie dem Herrn. So sollen auch die Männer
    Ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Ein jeder
    liebe seine Frau wie sich selbst. Die Frau [aber]
    fürchte den Mann. Bei Ephe: 5 [aus dem Brief des
    Paulus an die Epheser , Kapitel 5]. Die Frauen [sollen
    sich] kleiden in schicklichen Kleidern mit Zucht. Bei
    Timoth: 2 [aus dem ersten Brief des Paulus an Timotheus, Kapitel 2]")

    Inschrift auf dem rechten Seitenflügel oben:

    ESTOTE SVBDITI OMNI HVMANÆ
    CREATURÆ I PROPTER DEUM SIVE REGI
    SICVT PRÆ= I CIPVO SIVE PRINCIPIBVS
    TA [M] QVAM AREGE I MISSISIN
    VINDICTAM MALORVM LAUDEM I VERO
    BONORVM QVIA SIC EST VOLVNTAS I DEI
    PRET: SECVNDO

    ("Seid untertan aller menschlichen
    Ordnung um des Herrn Willen, sei es dem
    König als dem Vorzüglichsten, sei es den Fürsten,
    zum Lobe der Rechtschaffenden, das ist der Wille
    Gottes. Pfet: Secundo [aus dem ersten Brief des
    Petrus, Kapitel 2]")"

    Heinrich Magirius

    Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Magirius ist emeritierter Professor für Kunstgeschichte und Dr. der Philosophie an der TU Dresden.

     

  • Hans von Lindau

    Lucas Cranach d.J.
    Öl auf Lindenholz
    1581
    115 x 80 cm
    Dommuseum, Dauerleihgabe der Evang.-Luth. Kirchgemeinde Liebstadt-Ottendorf


    Der aus einem alten Meißnischen Adelsgeschlecht stammende Hans von Lindenau (1541-1598) war Rat des sächsischen Kurfürsten August, der ihn 1584 mit dem Amt eines Oberaufsehers für die  Grafschaft Mansfeld betraute. Gleichzeitig war er Amtmann von Sangerhausen. 1585 hatte er das Rittergut Ottendorf bei Pirna erworben, wo er bis zu seinem Tod 1598 lebte. Für die Ottendorfer Kirche stiftete er ein Altarretabel, eine Kanzel und einen Taufstein. Testamentarisch vermachte er der Kirche zu Ottendorf seine theologischen Bücher. Mit einer Inschrift am Altarretabel und dem in der Kirche aufbewahrten Porträt wurde die Erinnerung an den Stifter und Patron der Ottendorfer Kirche wach gehalten. Bis zur Restaurierung (1992/93) hing das Porträt in der Betstube über der Sakristei. 2003 wurde es dem Dommuseum Meißen als Dauerleihgabe übergeben.

    Lucas Cranach der Jüngere stellte Hans von Lindenau als Halbfigur dar vor graublauem Hintergrund. Er trägt einen Pelzmantel mit weißen Krausen am Hals und an den Ärmeln. In der Linken hält er einen Hut, der geschmückt ist mit einer Feder und einer Kette mit Edelsteinen. An der rechten Hüfte trägt er einen Dolch mit einem prachtvollen Silberknauf, auf dem ein Einhorn zu sehen ist. Rechts oben erscheint das Stammwappen der Lindenaus, das eine Linde mit Wurzeln zeigt. Das Porträt musste selbstverständlich auf Lindenholz gemalt werden. In der Cranachwerkstatt wurden dafür sieben Lindenholzbretter zusammengeleimt. Links neben dem Pelzkragen ist das Bild mit der geflügelten Schlange signiert und „1581“ datiert. An einer goldenen Kette trägt von Lindenau den sogenannten Gnadenpfennig – eine Medaille mit dem Bildnis des Kurfürsten August von Sachsen (1526-1586), die vom Kurfürsten als Anerkennung für treue Dienste verliehen wurde.

    Hans-Peter Hasse

     

  • ...weitere Cranachwerke

    Erst nach 2000 kamen weitere Cranachwerke in den Dom. Neben dem bereits erwähnten Patronatsbildnis des Hans von Lindenau sollen hier Bildnisse der Reformatoren Luther und   Melanchton und  ein kleines Bildnis von Kurfürst Friedrich dem Weisen erwähnt werden, das in der Schatzkammer des Doms aufbewahrt wird. Dabei handelt es sich ausschließlich um Werke von Lukas Cranach dem Jüngeren.