Trauer um Domherr Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Magirius

15.06.2021 | 13:16 Uhr

Heinrich Magirius (1934-2021)

Das Hochstift Meißen trauert um seinen Domherrn Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Magirius. Er wurde zum Herbstkapiteltag 1994 ins Domkapitel zu Meißen berufen. Dieses Amt versah er bis zu seiner Resignation im Jahr 2012. Seit 1999 hatte er die Beratung und Fachaufsicht in allen denkmalpflegerischen Angelegenheiten für das Hochstift Meißen und gestaltete und prägte mit seiner außerordentlichen Kompetenz maßgeblich die nach der deutschen Wiedervereinigung bis ins Jahr 2002 andauernden Restaurierungsarbeiten im Dom zu Meißen.

Heinrich Magirius wurde am 1. Februar 1934 in Dresden geboren und wuchs in Radebeul auf. Nach dem Krieg kam er ans Dresdner Kreuzgymnasium und legte dort das Abitur ab. 1946-1952 war er Mitglied des Dresdner Kreuzchors, wo er vor allem durch den Kreuzkantor Rudolf Mauerberger eine entscheidende Prägung empfing.

Seit der Zerstörung Dresdens 1945, die er als Kind miterleben musste, war es sein Ziel und Herzensanliegen, Denkmalpfleger zu werden. Heinrich Magirius machte es zu seinem persönlichen Schwerpunkt, kunstwissenschaftliche Untersuchungen und Forschungen für die denkmalpflegerische Praxis nutzbar zu machen. Stets war er bestrebt, die klassische Denkmalpflege am Objekt mit wissenschaftlichem Anspruch zu verbinden.

Von 1952 bis 1956 studierte Magirius in Greifswald und Leipzig Christliche und Klassische Archäologie und Kunstgeschichte und beendete 1957 das Studium mit der Diplomprüfung in den beiden letztgenannten Fächern. Im Jahr 1958 wurde Heinrich Magirius mit einer Dissertation über die Baugeschichte des Klosters Altzella promoviert.

Im Jahr 1989 erhielt er eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, wo er bereits seit 1980 gelehrt hatte. 1991 habilitierte er sich über die Geschichte der Denkmalpflege in Sachsen.

Seit 1991 war er Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Zudem wirkte Magirius mehrere Jahre als Vorsitzender der Kommission für Kunstgeschichte Mitteldeutschlands der Akademie. Von 1994 bis 1999 war er Landeskonservator im Landesamt für Denkmalpflege Sachsen und 1996 Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste.

Die Restaurierung vieler bedeutender Baudenkmäler in Sachsen lag als Denkmalpfleger in seinen Händen. So war er u.a. mitverantwortlich für den Wiederaufbau der Wolfgangskirche in Schneeberg, der Dresdner Semperoper, des Dresdner Schlosses und der Dresdner Frauenkirche sowie für die Restaurierungen des Freiberger Doms, der Annenkirche in Annaberg-Buchholz, des Meißner Doms und der Gemäldegalerie Dresden, dazu von Kloster St. Marienstern und Schloss Pillnitz, der Thomaskirche Leipzig und der Nikolaikirche Leipzig.

Darüber hinaus kamen archäologische Arbeiten u.a. am Kloster Altzella, am Freiberger Dom, die international viel beachtete Arbeit am Lettner des Wechselburger Klosters, im Meißner Dom, der Thomaskirche sowie der Nikolaikirche Leipzig und an der Marienkirche Torgau.

Ein weiteres wichtiges Anliegen, das Magirius über viele Jahre insbesondere in Dresden, Leipzig und Torgau voranbrachte, war die Inventarisierungsarbeit zur Erfassung der Denkmale.

Heinrich Magirius gehörte 1990 zu den Autoren der Aktion „Ruf aus Dresden“ für den Wiederaufbau der Frauenkirche. Außerdem engagierte er sich für die Baukultur durch seine Mitgliedschaft im „verein für denkmalpflege und neues bauen radebeul“ und wirkte in der Jury des Radebeuler Bauherrenpreises mit.

Heinrich Magirius trat zudem als Autor zahlreicher Schriften zu Themen der Denkmalpflege, Baugeschichte, Kunstgeschichte und Archäologie hervor, die bereits in den 1980er Jahren auch im Westen des geteilten Deutschlands Beachtung fanden.

Aufgrund seiner vielfältigen Verdienste wurde er 1985 mit dem Nationalpreis der DDR II. Klasse für Kunst und Literatur ausgezeichnet. 1995 erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 2004 wurde er mit dem Sächsischen Verdienstorden ausgezeichnet. Weiterhin wurde er 2007 mit dem Andreas-Möller-Geschichtspreis der Stiftung für Kunst und Kultur der Kreissparkasse Freiberg und 2010 mit dem Kunstpreis der Großen Kreisstadt Radebeul geehrt.

Heinrich Magirius ist am Sonntag, dem 13. Juni 2021 im Alter von 87 Jahren in Radebeul verstorben.

Dem christlichen Glauben und der Kirche evangelisch-lutherischer Prägung hat sich Heinrich Magirius zu allen Zeiten zugehörig und verbunden gefühlt. Die Berufung zum Domherrn empfand er als Ehre und hohe Verpflichtung, der er stets mit großer Hingabe und Verantwortung erfüllte.

Mit dem Dom zu Meißen bleibt sein Schaffen und Wirken untrennbar verbunden. Das Hochstift Meißen gedenkt seiner in großer Dankbarkeit. Seiner Familie gilt unser tief empfundenes Beileid.

Das Hochstift Meißen